
HAB EVENTS ARCHIV
Kulturelle Veranstaltungen sind ein wichtiger Teil unseres Verständnisses als Landwirtschaftsbetrieb und zu einem grossen Teil dafür verantwortlich, dass wir zu dem geworden sind, was uns heute auszeichnet.
Die Liste der hinter uns liegenden Veranstaltungen gibt einen Einblick in unseren Werdegang, unsere Werte und die Freude an der kulturellen Arbeit.
Pflanztag in der Alten Bäckerei
27.11.2020 / Text: Tom Heinzer – Bilder: Daniel Marti und Alice Cantaluppi
Der 16. November 2020 war der schönste Tag in diesem Monat: blau, mild, nebelfrei! Dani Marti, Baumpfleger & Baumläufer, zeigte uns, wie es geht mit dem Pflanzen. Er zeigte es so gut, dass nach rund 5 Stunden kräftiger Arbeit 23 Obstbäume am Sonnenhang in Waltenstein ein neues Zuhause hatten, vom Apfelbaum bis zur Indianer-Banane. Samt Mäuseschutz, schattenspendendem Pfahl gegen Süden, aktivierter Pflanzenkohle, Schwarzerde und Frass-Schutz gegen die immerhungrigen Schafe.
Dazu gab es Suppe, Kuchen und frischen Most aus der Alten Bäckerei. Wir glauben, den neuen alten Sorten einen schönen Empfang in ihrem neuen Lebensraum gegeben zu haben – und uns und der Gesewo einen guten Kick für ein neues, lebendiges Projekt.
Der Pflanztag war die erste Umsetzung der Vision, welche der Hausverein mit Unterstützung des Innovationsfonds der Gesewo verwirklichen möchte: «Die Alte Bäckerei hat eine Vision: Auf einem bis anhin verpachteten und intensiv genutzten Stück Weideland soll ein kleines Oekotop entstehen. Der Bolsternbach könnte zu einer artenvielfältigen Feuchtzone und der vergrösserte Obstgarten liefert sorgfältig produzierte Nahrungsmittel in einer Menge, die über den Bedarf des Hausvereins hinausgeht. » Mehr Infos zumProjekt.
Wieselburgenbau
21.03.2021 / Text und Bilder: Alice Cantaluppi
Die drei stattlichen Holzhaufen, die seit dem 22. Mai 2021 den hinteren Teil des neu angelegten Obstgartens der Alten Bäckerei Waltenstein schmücken, sind auf den ersten Blick leicht irreführend. Was nach Vorbereitungen zu 1.-Augustfeuern aussieht, sind in Tat und Wahrheit Wieselburgen.
An einem sonnenreichen Samstagnachmittag wurden die Kleintierbehausungen mit vielen helfenden Händen gebaut. Bekannte wie neue Gesichter aus verschiedenen Gesewo-Häusern fanden ihren Weg nach Waltenstein. Nebst einem Fachinput der Zoologin und Wieselexpertin Cristina Boschi entstanden phantasievolle Karton-Ritterrüstungen und Wieselmasken.
Nun sind wir gewappnet für die neuen Bewohner*innen auf unserem Grundstück. Wir warten in geduldiger Vorfreude, dass schon bald die immerhungrigen Tierchen einziehen und die Mäusepopulation regulieren, damit diese nicht auf die Idee kommen, sich an den Wurzeln der Jungbäume sattzufressen.
Und es funktioniert – Schaffelle vom Schärer nicht vom Schlachter
27.11.2020 / Text und Bilder: Alice Cantaluppi
An einem Mittwoch im Oktober entstanden unter Anleitung von Carmen Neumayer von JaWoll www.fellfilzerei.ch neun wunderschöne Sitzfelle mit der Wolle der beiden frisch geschorenen Schwarznasenschafe. Die Stimmung war trotz frischen Temperaturen heiter und die Freude über die leckere Verpflegung und die fertigen Erzeugnisse gross – und Bella und Bambam sagen wir danke für die wunderschöne Wolle!
Nüsse geknackt, Kürbisse geschält, Äpfel gepresst…
12.11.2022 / Text und Bilder: Alice Cantaluppi
Nicht nur ein Einmachtag…
Am 12. November wurde unter Anleitung von Gabriela Bischofberger von der Einmachbibliothek in kleinen Gruppen an verschiedenen Stationen im Tenn und ums Haus der Alten Bäckerei Waltenstein Nüsse geknackt, Kürbisse geschält, Mangold verarbeitet, Kraut gehobelt, Kartoffeln und Gemüse zu einer Suppe für das Mittagessen verarbeitet und die letzten Mostäpfel zu naturbelassenem Saft gepresst. Es war eine wunderbar geschäftige und gelöste Stimmung und ein reger Betrieb.
… sondern auch ein Generationentag
Nebenher wurden Geschichten erzählt und Wissen ausgetauscht: Eine ältere Generation, die das Einmachen von früher her kennt, trifft auf eine jüngere Generation, die es für sich neu entdeckt. Kurz vor dem Eindunkeln standen viele Gläser gefüllt mit haltbar gemachtem Gartengut bereit zur Mitnahme: Baumnuss-Mangoldpesto, Apfelsaft, Sauerkraut, Kürbischutney, Kürbispickles, Kürbisauftrich.
Pflanztag in der Alten Bäckerei
… und bestimmt nicht die letzte!
3.11.2023 / Text: Conni Stüssi – Bilder: Alice Cantaluppi und Manu Beffa
Mehr als vierzig Menschen haben an den zwei langen, langen Tischen in der Alten Bäckerei getafelt: der eine war im leergeräumten kühlen Tenn, der andere in der gemütlich geheizten Loge.
In jedem Gericht gab es mindestens eine Zutat aus unserem Garten: vom Kürbis als Suppe zum Kürbis im handgemachten Ravioli, vom Kürbis im Ofen zum Kürbis im kanadischen Kuchen, das Lamm im Topf und das Lamm auf dem Grill, Palmkohl, Peperonata, Polenta, Kartoffeln als Trüffeltürmchen, Feigenchutney, Quittenpästeli, Zwetschenmus und Hagebutten-Mousse … schon mal was vom Schlaraffenland gehört? Wir verraten es euch: es war kurzzeitig in Waltenstein zu finden!
Wir denken: es war wohl nicht die letzte Tavolata in der Alten Bäckerei!
Mitgetragen vom Innofonds der Gesewo – und tatsächlich waren aus vier verschiedenen Gesewo-Häusern Tafelgäste da!
Das freut uns ganz besonders!
Sensen und Dengeln
3.11.2023 / Text: Luc François Georgi – Bilder: Alice Cantaluppi
Immer wieder haben wir in den letzten Tagen und Wochen zum Himmel geschaut. Der regelmässige Regen war bei den Bewohner:innen der alten Bäckerei oft ein Thema: Gibt es es ein Zeitfenster zu heuen? Wird es an unserem Sensetag trocken sein?
An besagtem Tag ist das Wetter für unseren Kurs perfekt. Rund fünfzehn Personen – aus der Gesewo, dem Freund:innen-Kreis sowie aus weiteren Wohnprojekten – haben sich angemeldet. Severin Elleberger und Remo Staub, verteilen nach einer Einführung die Sensen mit ihren verschiedenen Worbs. So erhält die eine einen Toggenburger, der andere einen Berner Halbkrumm und die dritte ein spezielles Modell aus Italien, alle gut auf unsere Grösse angepasst.
Mähen mit der Sense: ökologisch, ruhig, meditativ
Bald stehen wir verteilt zwischen den Obstbäumen und beginnen unser Halbkreise zu schwingen: eine meditative Choreo, bei der es gilt mit der Sense immer schön am Boden zu bleiben und keinen «Stufenschnitt» zu hinterlassen. Auf der Nachbarsparzelle wird der Balkenmäher angeworfen und so wird auch schnell ersichtlich, wiese sich Mechanisierung in der Landwirtschaft (leider) oft leicht durchsetzt. Etwa die gleiche Fläche ist zum Ende des Vormittags von einer Person mit Maschine gemäht. Wir geniessen die Ruhe unserer Methode, betonen deren ökologischen Vorteile und wissen gleichzeitig, dass wir uns nicht für die Sensemeisterschaften anmelden werden.
Heurisotto, Heukunst, Heu zetteln
Am Mittag bleiben wir beim Thema: ein wunderbarer Heurisotto, begleitet von im Heu gegarten Blumenkohl und weiteren Beilagen kommen auf den langen Tisch.
Danach werden die Bänkli mit den Dengeleisen aufgebaut und die Hämmer verteilt. Es ist nicht einfach, den gewünschten Millimeter der Schneide richtig zu «breichen» und die Hammerschläge im Arm und in den Ohren zu ertragen, Ausdauer und Geduld sind gefragt.
Weitere Besucher:innen stossen dazu, beobachten das ganze mit Interesse und beteiligen sich an den sonst angebotenen Workshops (Daguerreotypie, Lettische Heukunst und ein Graserkennungsspiel). Am Ende des Tages steht für einige die Erkenntnis, dass die mitgebrachte Sense vielleicht doch zu kurz und die Lust vorhanden ist, sich doch eine massgeschneiderte Thurgauer zu leisten – mit der regelmässigen Pflege ein Kauf fürs Leben.
Hoferöffnung Alte Bäckerei Waltenstein
3.11.2023 / Text: Tom Heinzer – Bilder: Alice Cantaluppi, Manu Beffa und Katja Jug
Wir haben gefeiert…
Am 20. September traf sich eine bunte Schar von fast achtzig Menschen in Waltenstein: Bewohner:innen anderer Gesewo-Häuser, Landwirt:innen, Freund:innen und Familie, neugierige Nachbarschaft und stolze frühere Besitzer:innen der Alten Bäckerei. Gemeinsam feierten sie einen wichtigen Moment – die Anerkennung der Alten Bäckerein Waltenstein als Biohof.
Kraut, Rüben und Energielinien
Der Nachmittag begann mit einer Hofführung. Bettina und Daniel führten entlang von „Energielinien“ durch Kraut und Rüben, zu den Schafen, über die Obstanlage bis zum Kompost – „Kompost is hot“! Ausgangspunkt einer Weltbetrachtung, hier in der Alten Bäckerei Waltenstein exemplarisch erlebbar.
Die Tatsache, dass alles, was uns Menschen als Lebensenergie dient, mit der Photosynthese beginnt – welche die landwirtschaftliche Arbeit als unterstützende Care-Arbeit verständlich macht – wird eindrücklich erlebbar und liefert Stoff für den anschliessenden Apéro. Es wurde geplaudert, gelacht, gedacht – hinaus in die Welt und wieder zurück.
Bäuerlicher Alltag in Bildern
Im Schafstall erzählen Fotografien von Alice vom genossenschaftlich-landwirtschaftlichen Alltag: von der gemeinsamen Arbeit mit Pflanzen, Tieren und Böden, vom Nehmen und Geben, Beobachten, Innehalten und Teilen.
Die Bewohner:innen handeln in Resonanz mit ihrem Lebensraum und entdecken immer wieder Neues – bescheiden und achtsam. «Wir möchten in Kreisläufen handeln», heisst es dort, «lernen, entdecken, bescheiden werden in dem, was wir glauben zu brauchen.» Und weiter: «Wir möchten der Lebensmittelproduktion das mögliche Moment des Geniessens zurückgeben.»
Vom Acker auf den Tisch
Das üppige Abendbuffet – fast alles auf dem Boden der Alten Bäckerei gewachsen und von David, Sämi, Anina und Luc am Feuer zubereitet – bot Zucchini-Baba-Ganoush, Kartoffeln und Kürbis vom Feuer, Bohnen, frische Tomaten, fermentierten Rettich, Kräutersaucen und selbstgebackenes Brot. Zum Dessert lockten Kirschentiramisu, Zwetschgenkompott, Apfelcrumble und Schokoladenmousse.
Musik, Magie und Gemeinschaft
Musikalisch begleiteten die Blaskommoden den Abend. Conni Stüssi, Freundin und ehemalige Bewohnerin der Alten Bäckerei, und Judith Widmer, Freundin und Rapidpatin, tauchten den Festplatz in zweidreivierteltaktige Heiterkeit – in der es mir so war, als hätte ich kurz Charlie Chaplin und die Laufenten gemeinsam auf dem Komposthügel schnattern sehen.
An der Bar kredenzte Mirja den Vogelbeeren-Prosecco-Salbei-Drink, gefolgt von feinen Bränden. Später übernahmen Kim Cantaluppi und Tara Keist aka BratHighness mit ihrem ersten öffentlichen DJ-Set das Pult. Als gemeinsamen Abschluss des Abends zeigten die Kinder der Festgesellschaft stolz ihren Animationsfilm, welcher unter Anleitung von Vero, Julia und Silvan entstanden ist.
Ein Moment des Geniessens
Und nach dem letzten Postauto um 23.30 Uhr sitzen die Bewohner:innen der Alten Bäckerei im Kreis auf dem Festplatz – zufrieden und erschöpft von dem Erlebten und Erreichten der letzten Tage. Ein Moment des gemeinsamen Geniessens. Es war grossartig!
Was die Gesewo mit der Selbstverwaltung ermöglicht
Eine Gesewo-Liegenschaft bietet Wohnraum, Arbeitsort, Erholungsmöglichkeit, Lern- und Lehrchance, Erfahrungs- und Begegnungspotenzial – und noch vieles mehr. Im Rahmen der Selbstverwaltung ist die Gestaltung des Wohnortes zu einem grossen Teil dem Hausverein anvertraut.
Die Alte Bäckerei kann für dieses Verständnis ein grosses JA aufbringen – und die Crew freut sich, auch in den kommenden Jahren den Ort Alte Bäckerei weiterzuentwickeln … und ihr werdet wieder von uns hören!


















































